Politische Risiken, Betriebsunterbrechungen & Co.
Diese zehn Unternehmensrisiken sollten Sie 2025 unbedingt im Auge behalten. Wo lauern derzeit die größten Gefahren für deutsche Mittelständler?
Diese zehn Unternehmensrisiken sollten Sie 2025 unbedingt im Auge behalten. Wo lauern derzeit die größten Gefahren für deutsche Mittelständler?
Jedes Jahr ermittelt das Allianz Risk Barometer, welche externen Gefahren Unternehmen erwarten. Gerade ist die 14. Ausgabe erschienen, für die weltweit 3.778 Expertinnen und Experten zum Thema Risikomanagement aus 106 Ländern befragt wurden. Platz 10 bis 1: Mittelstand Heute fasst die Top 10 Risiken für Sie zusammen.
12 Prozent der deutschen Unternehmen befürchten Ausfälle kritischer Infrastruktur wie der Energieversorgung oder dem Verkehrssektor. 13 Prozent betrachten die aktuellen Marktentwicklungen mit großer Sorge. Beide Themen rangieren zwar nur auf Platz 10 und 9 der Risiken, erstmals landeten sie aber überhaupt in den deutschen Top Ten. Für Verunsicherung sorgt vor allem Donald Trumps Zoll-Politik. Viele Unternehmen überlegen daher, ihre direkte Präsenz auf dem amerikanischen Markt zu erhöhen.
Im Vergleich zum Vorjahr machen sich deutsche Unternehmen weniger Sorgen um fehlendes Personal und den Klimawandel. Angesichts von Rezession und Stellenabbau rutscht der Fachkräftemangel von Platz vier auf Platz acht ab. Im Hinblick auf den Klimawandel fällt auf, dass deutsche Unternehmen anders priorisieren als der globale Durchschnitt. Während das Thema in Deutschland nur auf Rang sieben landet, klettert es weltweit auf den fünften Platz – so hoch wie nie zuvor. Die Befragten befürchten vor allem Schäden an Produktionsstätten und Betriebsunterbrechungen durch extreme Wetterereignisse. Um die direkten Auswirkungen des Klimawandels abzumildern, wollen Unternehmen in erster Linie ihren Versicherungsschutz anpassen, ihren CO2-Ausstoß reduzieren und Notfallpläne erstellen.
Sowohl die angespannte geopolitische Lage als auch die wachsende Bedrohung durch Terrorismus halten Unternehmen auf der ganzen Welt weiterhin in Atem. Schon das dritte Jahr in Folge rangieren politische Risiken und Gewalt unter den globalen Top Ten. Deutsche Unternehmen schätzen die Gefahr in diesem Jahr höher ein als noch 2024 (Platz sechs im Vergleich zu Platz acht), und sogar deutlich höher als der internationale Durchschnitt (Platz 9).
Als exportorientierte Volkswirtschaft ist Deutschland besonders stark von geopolitischen Risiken betroffen. Handelsstreitigkeiten, Protektionismus und militärische Konflikte führen immer wieder zu Störungen der Lieferketten. Um die Supply-Chain-Resilienz zu verbessern, will die Mehrheit der Befragten mit mehreren oder alternativen Lieferanten arbeiten und ihre Lieferantennetzwerke geografisch diversifizieren.
Feuer ist nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Betriebsunterbrechungen oder Lieferkettenstörungen. Das Schadensausmaß ist oft enorm; nach einem Brand dauert es manchmal Jahre, bis eine beschädigte Anlage wieder einsatzbereit ist. Dieses Risiko klettert bei deutschen Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze nach oben auf Platz 5. Eine Ursache sehen die Befragten in der zunehmenden Elektrifizierung und der Verbreitung von Lithium-Ionen-Akkus, die sich durch unsachgemäße Handhabung oder Lagerung entflammen können. Die Allianz empfiehlt daher, Brandschutzmaßnahmen zu überprüfen und zu aktualisieren.
Neue Regularien bedeuten für Unternehmen in erster Linie mehr Bürokratie und Aufwand. Kein Wunder also, dass Änderungen in der Gesetzgebung als erhebliches Risiko betrachtet werden. Daran hat sich im Vergleich zu 2024 nur wenig geändert. Bei kleineren Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 100 Millionen US-Dollar landet die Thematik im globalen Durchschnitt sogar auf Platz zwei.
2025 beschäftigen sich viele der Befragten aus Deutschland und der EU mit der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive). Die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung und insbesondere die Erhebung und Auswertung der Daten stellen Betroffene vor große Herausforderungen. Digitalisierung ist daher unverzichtbar, wie Mittelstand Heute im Kontext Nachhaltigkeit bereits zeigte.
Mit 29 Prozent sind Naturkatastrophen das Risiko mit dem größten Zuwachs in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahr rückt dieses Risiko um neun Prozentpunkte nach oben. Global gelten Naturkatastrophen bereits das zweite Jahr in Folge als drittgrößtes Risiko – in neun Ländern, darunter Griechenland, Österreich, Kroatien und Spanien, sogar als größtes.
Das fünfte Jahr in Folge übersteigen die versicherten Schäden, die durch Ereignisse wie Stürme, Überschwemmungen oder Erdbeben verursacht wurden, die 100-Milliarden-US-Dollar-Grenze. Allein für das Hochwasser in Süddeutschland im Juni 2024 spricht der Gesamtverband der Versicherer (GDV) von etwa zwei Milliarden Euro. Da Naturkatastrophen eng mit dem Klimawandel verbunden sind und künftig zunehmen werden, sind die damit verbundenen Risiken nur noch schwer zu versichern. Der Schwerpunkt muss daher auf Prävention und Schadensbegrenzung liegen, so die Allianz.
Auch in diesem Jahr bleibt die Betriebsunterbrechung sowohl in Deutschland als auch weltweit das zweitgrößte Unternehmensrisiko. Bereits seit zehn Jahren rangiert sie entweder auf Platz eins oder zwei. Am meisten befürchten die Befragten die Folgen eines Cybervorfalls oder einer Naturkatastrophe. Aber auch geopolitische Risiken und gestörte Lieferketten treiben die Sorge um Betriebsunterbrechungen an.
Laut einer Studie von Circular Republic in Zusammenarbeit mit Porsche Consulting, Allianz und Agora Strategy treten Disruptionen der Lieferkette mit globalen Auswirkungen etwa alle 1,4 Jahre auf – Tendenz steigend. Solche Unterbrechungen verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden, die fünf bis zehn Prozent der Produktkosten von Unternehmen ausmachen. Schmerzlich zu spüren bekamen das Unternehmen zum Beispiel, als Ende 2023 wegen der Huthi-Angriffe im Roten Meer Containerschiffe umgeleitet werden mussten.
Das mit Abstand wichtigste Unternehmensrisiko sind Cyber-Vorfälle – und zwar für Unternehmen aller Größen. In Deutschland landet die Thematik schon das zweite Jahr in Folge auf Platz eins, global das vierte Jahr. Im internationalen Vergleich ist Deutschland sogar besonders sensibilisiert: 47 Prozent der deutschen Unternehmen betrachten Cyber-Vorfälle als Top-Risiko (global 38 Prozent). Am ehesten befürchten die Befragten Angriffe auf kritische Infrastrukturen und Sachwerte (62 Prozent), gefolgt von Malware- und Ransomware-Attacken. IT-Ausfälle wie der Crowdstrike-Vorfall haben im vergangenen Jahr gezeigt, wie abhängig Deutschland von IT-Systemen ist. Durch die zunehmende Adaption von künstlicher Intelligenz wird sich die Lage künftig noch verschärfen. Unternehmen sollten ihre Sicherheitskonzepte daher dringend prüfen und an steigende Anforderungen anpassen.
In diesem Jahr fällt besonders auf, wie eng viele der Unternehmensrisiken miteinander verflochten sind. So können zum Beispiel Cyber-Angriffe, Umweltkatastrophen, politische Risiken und Brände zu Betriebsunterbrechungen und Lieferkettenstörungen führen, während Extremwetterereignisse eng mit dem Klimawandel zusammenhängen. Die wachsenden Cyber- und Umweltrisiken wiederum sind Anlass für neue Regularien. Das zeigt, wie wichtig es ist, Resilienz und Risikomanagement ganzheitlich anzugehen und konsequent zu verbessern.
Quelle Aufmacherbild: DALL-E