Von E-Mobilität bis Nachhaltigkeit
Welchen Einfluss hat IT auf die aktuell größten Trends der Automobilindustrie? Mittelstand Heute nennt fünf Trends für 2025 und zeigt Potenziale auf.
Welchen Einfluss hat IT auf die aktuell größten Trends der Automobilindustrie? Mittelstand Heute nennt fünf Trends für 2025 und zeigt Potenziale auf.
Es sind wahrlich keine leichten Zeiten für die deutsche Automobilindustrie: Hersteller müssen den Wandel zur E-Mobilität meistern und sich auf dem globalisierten Markt behaupten. Gleichzeitig kämpft die Branche mit gestörten Lieferketten und immer strengeren Regularien. Wie etwa dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG): Das nämlich macht Nachhaltigkeit für deutsche Unternehmen entlang der weltweiten Supply Chain zur Pflicht.
Wenn der Druck auf Automobilzulieferer steigt, wachsen auch die Anforderungen an die IT. Sie ist die Basis für alle Veränderungen, Innovationen und die nahtlose Zusammenarbeit mit Partnern auf der ganzen Welt. Mittelstand Heute stellt die fünf wichtigsten Trends der Automobilindustrie vor und zeigt, welche Rolle die IT bei der Bewältigung von Herausforderungen spielt.
Der Umbau der Automobilindustrie nimmt an Fahrt auf. Während die großen deutschen Autobauer immer mehr auf E-Mobilität umstellen, müssen auch Automobilzulieferer ihr Produktportfolio überarbeiten und neu ausrichten. Für viele stellt sich jetzt die Frage: Wie können wir uns in der neuen Welt weiterhin als wertvoller Partner positionieren?
Unternehmen müssen ihre Komponenten anpassen oder ganz neue Produkte für die E-Mobilität entwickeln. Dabei müssen sie kreativ und innovativ sein und eng mit ihren Geschäftspartnern zusammenarbeiten. Das erfordert eine IT, die Kollaboration fördert, neue Technologien bereitstellt und schnelle Innovationszyklen abbilden kann.
Auch die Unternehmensstrukturen verändern sich dynamisch. Einerseits stoßen Hersteller Geschäftsfelder ab, die sie in der neuen Welt nicht mehr benötigen, andererseits versuchen sie Bereiche zuzukaufen, die künftig erfolgversprechend sind. Um solche Umstrukturierungen effizient durchzuführen, müssen sie in der Lage sein, Geschäftsprozesse schnell zu implementieren und kontinuierlich anzupassen. Nur mit einem modernen ERP-System, das aktuelle Lösungen mit maximaler Flexibilität bietet und eine umfangreiche Automatisierung von Prozessen ermöglicht, kann diese Transformation gelingen. "Vor diesem Hintergrund ist der Wechsel auf SAP S/4HANA nicht nur technologische Pflicht, sondern strategische Notwendigkeit“, erklärt Thomas Forst, Principal Industry Manager Series Production (Schwerpunkt Automotive) bei der All for One Group.
Ob Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Chip-Mangel oder Probleme im Suez-Kanal: Die Branche leidet immer wieder unter gestörten Lieferketten. Zu den wichtigsten Trends der Automobilindustrie zählt daher, die Supply Chain resilienter zu gestalten. Unternehmen müssen ihre Partnernetzwerke erweitern, neue Lieferantenbeziehungen aufbauen und diese schnell in ihr Ökosystem integrieren.
Resilienz geht Hand in Hand mit LkSG-Compliance: Das deutsche Lieferkettengesetz verpflichtet Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern dazu, sicherzustellen, dass die Partner entlang ihrer Supply Chain die vorgeschriebenen Nachhaltigkeitskriterien einhalten. OEMs reichen diese Pflicht meist an ihre Lieferanten weiter. Für Zulieferer bedeutet das: Sie müssen ihren Partnern automatisiert entsprechende Daten als Nachweis zur Verfügung stellen und gleichzeitig Risiken in ihrer eigenen Lieferkette managen.
Ohne Digitalisierung ist das nicht machbar. "Der digitale Kern in S/4HANA und der digitale Datenaustausch über EDI, Services oder Business Networks sind die Grundlage. Auch Speziallösungen wie SAP IBP, Ariba und Supply Chain Control Tower helfen, Transparenz in komplexen Liefernetzwerken zu schaffen, Risiken frühzeitig zu erkennen und alternative Lieferanten effizient zu integrieren“, so Thomas Forst.
Der Standort Deutschland wird immer weniger wettbewerbsfähig. Viele Unternehmen verlagern ihre Produktionsstandorte ins Ausland, weil sie dort bessere Bedingungen vorfinden. Einen Großteil ihres Umsatzes macht die Automobilindustrie ohnehin in anderen Ländern. Im Bereich der E-Mobilität war China 2023 der größte Absatzmarkt: 6,3 Millionen Fahrzeuge mit Elektromotor wurden hier laut Statista verkauft, etwa 24,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf Platz eins lag im ersten Quartal 2023 der chinesische Hersteller BYD, gefolgt von Tesla. Als einziger deutscher Autobauer schaffte es BMW in die Top-Ten, allerdings weit abgeschlagen auf Platz neun.
Die Marktverschiebung führt dazu, dass auch deutsche Zulieferer ihren Fokus stärker auf internationale Hersteller und Kunden ausrichten. „Ohne Echtzeit-Datenaustausch mittels EDI- und Cloud-Technologien sind die Anforderungen an globale Lieferketten nicht zu bewältigen. Sie sorgen für eine reibungslose Kommunikation und sind unverzichtbar für komplexe Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Anlieferungen“, erklärt Thomas Forst.
Um Prozesse zu optimieren, erwarten Autobauer schon lange von ihren Lieferanten, dass sie EDI (kurz: Electronic Data Interchange, also den Austausch elektronischer Geschäftsdokumente zwischen Geschäftspartnern) einsetzen. Der elektronische Datenaustausch ermöglicht es, Informationen aus dem ERP-System des einen Partners direkt ins ERP-System des anderen zu übertragen, sodass sie dort nahtlos weiterverarbeitet werden können.
Für eine belastbare Planung von Komponenten und Baugruppen übermitteln die OEMs eine Vorausschau der Bedarfe in Form von Lieferabrufen. Die eigentliche Abholung wird dann transportoptimiert durch Pick-Up Sheet, Just-in-Time- oder Just-in-Sequence-Abrufe avisiert. OEMs machen individuelle Vorgaben, welche Informationen ihre Zulieferer in ihren EDI-Prozessen abbilden müssen. Betroffene Unternehmen müssen daher in der Lage sein, ihre Nachrichtenformate jederzeit schnell an neue Anforderungen anzupassen. Auch veränderte Branchenstandards und Regularien wirken sich auf das EDI-Mapping aus. Dazu kommen steuerrechtliche Anforderungen: In vielen Ländern ist EDI Pflicht, weil die Technologie die Basis für das gesetzlich vorgeschriebene E-Invoicing-Verfahren schafft.
Zu den großen Trends der Automobilindustrie zählt auch die Digitalisierung der Produktion. Um Prozesse zu optimieren und resilienter zu machen, müssen Unternehmen automatisiert Daten aus der Produktionsumgebung sammeln und analysieren. Condition Monitoring gehört heute schon in vielen Betrieben zum Standard. Im nächsten Schritt folgen Predictive-Maintenance-Szenarien, die es zum Beispiel ermöglichen, Verschleiß zu prognostizieren oder Probleme zu beheben, bevor sie entstehen.
Einfache Use Cases lassen sich bereits ohne Machine Learning und KI umsetzen. IoT bildet die Brücke zwischen der Produktionsumgebung und dem ERP. Die Technologie schafft die Basis, um Prozesse Ende-zu-Ende zu automatisieren. Daten aus der Produktion können dann zum Beispiel in die Lieferplanung einfließen oder in einem digitalen Zwilling visualisiert werden, der den Maschinenpark eins-zu-eins virtuell abbildet.
Auch künstliche Intelligenz spielt 2025 zunehmend eine Schlüsselrolle in der Automobilproduktion. KI-basierte Anwendungen steigern die Effizienz, indem sie Prozesse wie die optische Inspektion, Verfügbarkeitsprüfungen und Predictive Maintenance automatisieren. Um jedoch den größtmöglichen Mehrwert zu erzielen, ist es entscheidend, die individuellen Bedürfnisse und Prozesse jedes Unternehmens zu analysieren und die KI-Nutzung passgenau darauf abzustimmen. Nur so kann KI die Wettbewerbsfähigkeit von Automobilzulieferern langfristig steigern und ihre Produktion nachhaltig optimieren.
Quelle Aufmacherbild: unsplash/Markus Spiske